Tanzen ist Atmen

Ich atme, also tanze ich.

Im Dunkeln, im Regen, auf sonnenüberfluteten Wiesen, allein, zu zweit, zu vielen, zu Musik, in der Stille. Ich gehe nicht, ich tanze. Ich habe nicht meinen Arm, ich strecke ihn sehnsuchtsvoll in den Himmel, um eine Wolke zu berühren. Ich bin ein Mensch, also bewege ich mich, mache kleine Schritte, rolle auf die Zehenspitzen, drehe mich um mich selbst, lasse meinen Körper fallen und beben und zittern und … sein.

Ich tanze, also atme ich.

Das Leben, die Welt, die Menschen, ihr Lächeln, ihren Mut, den Wind, die Blätter an den Bäumen, die Sterne und die Nacht atme ich ein. Umarme die Luft, die vor mir liegt, die Person, die hinter mir geht, die unter mir liegt, auf der ich stehe. Streiche mit meiner Hand sanft über die Haut, den Beton, das Holz, das Wasser, die Flammen, das trockene Gras, deinen Kopf. Ich mache noch einen Schritt, meine Beine zittern, meine Knie fallen nach vorne, meine Brust hebt und senkt sich, mein Atem fliegt, Blut durchflutet meinen Körper, Blut und Glück und Trauer und Schreie und Liebe und … Leben.

ich lebe, also tanze ich.

Reaktion der Religion

Der orientalische Tanz stammt aus einer Region der Welt, in der sich seit dem 7. Jahrhundert der Islam als Massenreligion verbreitet hat. Trotz moderner Bewegungen, westlicher Orientierung und traditionellen, vorislamischen Werten gilt in den meisten orientalischen Ländern die islamische Rechtsordnung. Ein Tanz, in dem Frauen freizügig und verführerisch ihren Körper zu musikalischen Klängen bewegen, scheint in das Bild von islamischer Religion nicht hineinzupassen.

Musik und Tanz als ,,Gefahr”

Tatsächlich sind sich seit der Verbreitung des Islams viele Gläubige und Religionsgelehrte nicht sicher, und die Debatten, ob Musik und Tanz religiös verboten seien, reißen auch heutzutage nicht ab. Der Koran verbietet es nicht, dennoch haben die gesellschaftlichen Konzepte von Musik und Tanz bei vielen Gläubigen die Konnotation von Verbotenem, Anrüchigem. Sie sehen darin einen Widerspruch zu der von Gott geforderten Sittsamkeit, eine Gefahr zu unerlaubten sexuellen Handlungen, sowie eine Herabsetzung der Würde und des Körpers von Frauen.

Tanzverbote

Daher gibt es in vielen islamisch geprägten Gesellschaften und in den Gesetzen islamischer Länder Verachtung, Herabwürdigung und Diskriminierung von Berufen, die mit Singen und Tanzen in Verbindung stehen. Zahlreiche Regelungen und Verbote folgen daraus. So ist beispielsweise unter der Herrschaft der radikal-muslimischen Taliban in Afghanistan alle Unterhaltung, die sich Musik und Tanz bedient, explizit verboten. Auch in anderen islamischen Staaten wie Iran, Saudi-Arabien, Pakistan oder Algerien gelten Tänzerinnen gesellschaftlich prinzipiell als Prostituierte, und es wird nicht an Schmähungen und Vorurteilen gespart.

Kultur gegen Religion

Es mutet absurd und paradox an, dass in denselben Regionen, die die Kunstform des orientalischen Tanzes, wunderschöne traditionelle Musikinstrumente und Gesang hervorgebracht haben, nun eine musikalische Tanzdarbietung als verachtenswert und unerwünscht, ja sogar als unreligiös und dämonisch bezeichnet und geahndet wird. Die Masse an kulturell begeisterten Männern und Frauen, die sich dem Tanz oder der Musik widmen wollen, und sich nicht ganz aus der Öffentlichkeit verdrängen lassen wollen, leiden unter massiven Drohungen, Unterdrückung und Verfolgung. In manchen radikalen Gesellschaften droht ihnen sogar der Tod.

Hoffnung

Es ist traurig, als Tänzerin oder Musiker, Sänger oder Trommler der westlichen Welt und Perspektive, mitansehen zu müssen, wie diese wundervollen Kulturgüter unterdrückt und gedemütigt werden. Viele betroffen Künstler verlassen ihr Heimatland, wählen ein Leben im Exil, um ihre Kunst ausüben und ein freies Leben mit ihrer Leidenschaft führen zu können. Die Hoffnung bleibt, dass eines Tages die reichen und detaillierten Traditionen einer glanzvollen Kultur die religiösen Vorschriften von heutigen Regierungen und ihre Einschränkungen überwinden können. Es wäre eine Bereicherung für die islamische Welt, sich auf ihre Wurzeln und deren Reichtum an Kunst zurückzubesinnen.

Bauchtanzkostüme

Mein erstes Bauchtanzkostüm nähte ich selbst. Nicht nur Fingerfertigkeit, sondern auch große Kreativität sowie ein individueller Bezug zu einem Auftritt, der Musik und der Identität als Tänzerin, bringen die meisten Bauchtänzerinnen dazu, ihre Kostüme selbst anzufertigen.

Tausendundeine Pailletten

Zu einem traditionellen Kostüm im orientalischen Tanz gehören bestimmte Kleidungsstücke, die bei keinem Auftritt fehlen dürfen. Obwohl der Tanz zu Ursprungszeiten in körperumhüllenden, undurchsichtigen Stoffen aufgeführt wurde, entwickelten sich seit den 1920er-Jahren immer freizügiger werdende Kostüme. Neben einem bauchfreien, nur die Brust bedeckenden Oberteil besteht ein Bauchtanzkostüm aus einem immer noch meist bodenlangen, schwingenden Rock. Dieses Basisoutfit wird aufgewertet durch den allgegenwärtigen Münzgürtel, den man über der Hüfte zusammenknotet, und einem ausgiebigen Sortiment an Armreifen, Ringen, Kopfschmuck und Halsketten. Über das Kostüm verteilt lassen sich je nach Geschmack und Choreografie tausende von zusätzlichen kleinen Schmuckelementen, wie glitzernde Pailletten oder Münzen, durchsichtige Tücher oder Henna-Bemalungen hinzufügen.

Ein einziger Glitzerregen

Nachdem ich in nervenaufreibender Kleinstarbeit riesige Mengen von Pailletten an einen umgeschneiderten BH genäht hatte, nahm ich mir den schwarzen Rock vor. Mit Goldfarbe verzierte ich den Saum mit orientalischen Mustern, die ich plante, passend dazu mit Henna auf meine Unterarme und den Bauch zu zeichnen. Das fertige Kostüm, mit einem teuer erworbenen Gürtel, den ich im Internet bestellt hatte, und natürlich obligatorisch barfuß, mit glitzerndem Nagellack und übertrieben geschminktem Gesicht stellte ich mich vor den Spiegel. Ich sah aus, als wäre ich durch einen goldenen Wasserfall gelaufen. Viel zu viel, dachte ich. Meine Tanzlehrerin wies mich jedoch darauf hin, ein Bauchtanzkostüm sei erst dann vollständig, wenn man sich völlig verkleidet und wie ein goldener Schneeball fühle.

Reaktion der Zuschauer

Als ich auf den Boden aus Pflastersteinen und Sand, der unsere Bühne darstellte, trat, fühlte ich mich sehr unwohl und zur Schau gestellt. Mit Beginn der Musik vergaß ich fast, wie ich aussah. Das Publikum konnte durch die übertriebene Kostümierung selbst von den hinteren Reihen aus meine Haut glitzern sehen. Die Reaktionen der Zuschauer, die ich danach vernahm, waren durchweg positiv und begeistert von den Kostümen. Die Darbietung schien also vor allem durch die mir überzogen vorkommende Kostümierung einen Nerv getroffen zu haben. Ich sah anders aus, fremd, exotisch, golden und passte damit perfekt in die Vorstellung und Erwartung, die sich die Zuschauer von einer Bauchtänzerin gemacht hatte. Die eher unauffälligen, aber trotzdem in traditionellem orientalischen Stil gehaltenen Kostüme der Musiker wurden ebenfalls euphorisch kommentiert und beklatscht.

Der unendliche Zauber

Meine durchweg positive Erfahrung ließ mich erleichtert und freudig nach meinem ersten Auftritt zurück. Ich war stolz auf mein Kostüm. Dass die extravagante Kleidung so gut vom Publikum aufgenommen worden war, verdeutlichte mir noch einmal, was ein westlich geprägter Zuschauer von einer Bauchtanzvorführung erwartete: Die Illusion, in eine fremde, teure, goldene Welt entführt zu werden. Der Zauber von Musik, Tanz und Stoffen darf niemals unterschätzt werden.

Kostüme

Von einer wunderschönen, unvergesslichen Vorstellung träumen alle Beteiligten: Balletttänzer, Choreografen, Orchesterleiter, Bühnengestalter, Tontechniker und Helfer hinter den Kulissen. Doch ebenso wichtig für den erwünschten visuellen Effekt sind nicht nur die perfektionierte Tanzkunst der Ballerinas, sondern auch die Kostüme.

Auch wenn es historisch natürlich bereits länger und früher aus anderem Material existierte, hat sich das Tutu wohl als das bekannteste Teil eines Ballettkostüms entwickelt. Abhängig von Choreografie und erzählter Geschichte wird es allerdings auch immer mehr von leichteren, moderner inszenierten fließenden Stoffen oder anderen Ideen zur Seite gedrängt. Es bleibt allerdings neben den Spitzenschuhen wohl das beliebteste Symbol für das klassische Ballett.

Abhängig von den verschiedenen Körpertypen, dem Geschlecht der darzustellenden Figur, Lichteffekten sowie choreografierten Bewegungen ist es essenziell, dem Tänzer sein Kostüm individuell anzupassen. Die Darsteller eines Balletts haben hierfür spezielle Termine zur Vermessung, Anfertigung und Anprobe ihrer Kostüme. Ebenso wichtig ist es, mindestens eine Probe des gesamten Stückes, die Generalprobe, voll kostümiert durchzuführen, um eventuelle Mängel oder ungewünschte Effekte rechtzeitig beheben zu können.

Im Endeffekt bleibt es nämlich dabei: Es gibt eine bestimmte Vorstellung, die Laien von Trainingskleidung und Kostümierung in einem Ballett haben, und diese wird auf der Bühne bei einer Vorstellung erwartet. Wird es also zu modern oder überraschend, könnten negative Kritik und Unverständnis folgen.

Essstörungen und Ballerinas

Sie sollen ästhetisch aussehen, über den Boden schweben, kaum als menschliche Wesen, sondern eher als feengleiche Märchenfiguren wahrgenommen werden: Primaballerinas. Menschen zahlen viel Geld, um sich ein Ballett anzusehen. Sie wollen nichts Alltägliches, nichts Durchschnittliches, sie wollen Perfektion sehen, in andere Welten entführt werden, voll von zerbrechlichen Prinzessinnen, traumhaften Liebesgeschichten und Tänzerinnen, die Flügel zu haben scheinen.

Der Weg dorthin

Doch hinter den Kulissen, hinter den perfekten Körpern, sieht es anders aus. Die Mädchen und Jungen Frauen, die den scheinbaren Traum leben, professionelle Balletttänzerinnen sein zu können, leben unter zahlreichen Restriktionen.

Neben einem körperlich grenzwertigen Trainingsplan, extremer Strenge und hoher Erwartungen von Trainern, Choreographen und Coaches schwebt zu jeder Zeit die Drohung über einer Tänzerin, bei abfallender Leistung oder schlicht absteigender körperlicher Bestform immer plötzlich durch eine jüngere, trainiertere, fittere, schönere Tänzerin ersetzt werden zu können.

Der Druck zum Dünnsein

Obwohl sich sicherlich im Laufe der letzten Jahrzehnte diesbezüglich viel getan hat, ist es nach wie vor eines der schwierigsten und allgegenwärtigsten Themen in der Welt des professionellen Balletts: Essstörungen. Vor allem Mädchen und junge Frauen, aber auch immer mehr Jungen und Männer, sind davon betroffen. Um der Perfektion, der Illusion der Zauberwesen, der auf der Bühne schwebenden Künstler willen, verlieren sich leider immer mehr Menschen aus der Tanzwelt in einem krankhaften Essverhalten, um die übermenschlichen körperlichen Anforderungen sowie den eigenen Perfektionismus erreichen zu können. Magersucht ist hierbei die häufigste psychische Krankheit unter jungen Ballerinas, und es wird scheinbar nichts dagegen getan.

Der Ruf des Balletttänzers

Seit jeher scheinen zum stereotypen Bild der Balletttänzer und vor allem der -tänzerinnen zerbrechlich wirkende, kleine Körper, mit hervorstehenden Knochen und Muskelpartien zu gehören. Damit wird signalisiert, dass nicht jeder so ein Leben führen kann. Einem Durchschnittsmenschen wird suggeriert, die Welt des Balletts sei gezeichnet von eiserner Disziplin, körperlicher Perfektion und übermenschlicher Willenskraft. Um diese Vorstellung noch mehr zu erhöhen, wird eine übernatürliche ästhetische Ausstrahlung vorausgesetzt: das Publikum aus ,,normalen” Menschen soll sehen, wie besonders das alles ist, wie unfassbar bezaubernd die Tänzer durch seelische Stärke und körperliche Fitness und Schönheit sein können.

Ein Wandel ist schwierig

Immer mehr betroffene Tänzer gehen an die Öffentlichkeit, bekennen sich zu dem Druck, dem sie nicht mehr standhalten können, und wollen Aufklärung betreiben. Das Thema scheint im allgemeinen Gedankengut angekommen zu sein. Dennoch ist kein Wandel zu sehen. Weiterhin wird das Gewicht von Balletttänzerinnen militärisch kontrolliert, weiterhin sieht man in keinem Theater eine Primaballerina, die nicht diesem Klischeebild entspricht. Es ist traurig, denn genau diese Übermenschlichkeit, diese schillernde Darstellung von Disziplin, Verzicht und daraus folgender außergewöhnlichen Ästhetik ist das Ziel, ist der Grund, weshalb Leute ins Ballett gehen. Und solange es keinen kompletten Imagewechsel, der Jahrzehnte dauern würde, gegeben hat, werden Balletttänzer immer unter dem Druck stehen, perfekt sein zu müssen.

Mein Leben mit Ballett

Jedes Mädchen träumt vielleicht einmal in seinem Leben davon, Balletttänzerin zu werden. Ein Teil zu sein von dieser glitzernden Welt aus Schönheit, Disziplin und Musik. Und Schmerzen, die sich aber lohnen.

Ich traue mich

Für mich stand am Anfang nicht der Traum, nicht die Verblendung und der Reiz einer Welt von schönen Körpern, schönen Kostümen und schönen Bühnen. Als ich mich mit sechs Jahren entschied, zum Balletttraining gehen zu wollen, war es die kindische Vorstellung, eine Fähigkeit mit Leichtigkeit und ohne Probleme erlernen zu können. Ich war ein ängstliches Kind. Der Aspekt, mich zu trauen, stand ganz oben auf der Liste meiner Gründe. Ich erlebte meine ersten Ballettstunden als langweilig, als Qual. Als eine Zeit, die ich lieber anders verbringen würde. Mit zwölf Jahren stand ich kurz davor, es hinzuschmeißen.

Der Wandel mit Gefühl

Glücklicherweise tat ich es nicht. Ich weiß bis heute nicht, wie oder wann es geschah, aber als ich mit achtzehn immer noch ins Ballett ging, konnte ich plötzlich ohne das Tanzen nicht mehr leben. Wenn ich jetzt auf einer Bühne oder auch im Übungssaal an der Stange stand, meinen Körper zur Musik bewegte und merkte, wie ich Fortschritte machte, war ich mit Herz und Seele bei jedem Schritt dabei. Ich fühlte den Tanz.

Leider nur Durchschnitt

Obwohl ich Balletttanzen derart liebte und die meiste Zeit meines Lebens davon geprägt war, wusste ich immer, dass ich leider keine überdurchschnittliche Tänzerin bin. Ich las Artikel und Erfahrungsberichte, sprach mit anderen Tänzern, verglich mich bis zum Tränenausbruch mit den perfekten Primaballerinas. Ich brauchte sehr, sehr viele Jahre, um akzeptieren zu können, dass ich eine körperliche Grenze habe, die ich nicht überschreiten kann, und dass ich niemals so talentiert oder mühelos tanzen können werde wie andere.

Der Traum wird erwachsen

Im Nachhinein, als Erwachsene, kann ich das Glück darin erkennen: Ich kann tanzen, aus Spaß und überall, solange ich will, muss keine Angst haben vor Konkurrenzkampf, Verletzungen, Leistungssdruck oder Rezeption. In gewisser Weise lebe ich dennoch den Traum: Ich kann tanzen, durfte es lernen, durfte auf Bühnen stehen und die Grundsätze des Balletts lernen, ohne dass ich davon körperlich und psychisch eingenommen worden bin. Ich stehe als ,,Durchschnittsmensch” im ,,normalen” Berufsalltag, doch wenn ich abends zu Hause bin, drehe ich die Musik auf und ziehe meine Ballettschuhe an. Und diese Genügsamkeit eines kleinen persönlichen Zaubers in meinem Leben macht mich sehr glücklich.

Die Geschichte des orientalischen Tanzes

Es glitzert, Hüfttücher klingeln, Schmuck glänzt auf nackter Haut, langes Haar bewegt sich mit dem Rhythmus, Trommeln erklingen. Orientalischer Tanz entführt die Zuschauer in eine Märchenwelt von Tausendundeiner Nacht, von fliegenden Teppichen, und Flaschnegeistern.

Entstehung

Der auch Bauchtanz genannte orientalische Tanz ist in jahrhundertealter Tradition verwurzelt. In den großen Städten, aber auch den Dörfern und der Nomadenkultur der arabischen Welt seit jeher ein fester Bestandteil von festlichen Anlässen, hat der Bauchtanz schon lange seinen Platz in der Welt der darstellenden Künste. Hauptsächlich von Frauen, historisch auch von Kindern oder Männern dargeboten und mit traditioneller orientalischer Musik begleitet, wird diese Kunstform überall gern ausgeführt und gesehen. Quellen belegen seit dem 18. Jahrhundert die speziellen Bestandteile des Bauchtanzes wie bekannte Rhythmen, Tanzfiguren, Accessoires, wie mit Münzen besetzte Tüchern oder durchsichtige Schleier, und begleitende Instrumente wie Trommeln.

Der Exotikfaktor

In der westlichen Kultur hat der auf Arabisch ,,Tanz des Ostens” genannte Bauchtanz die Konnotation von exotischer Verführung und Entrückung, von Verzauberung durch Schönheit und Körperbeherrschung. Durch die orientalische Musik wird jedem der vielen Tanzstile, die der orientalische Tanz vereint, eine Aura von Fremdheit, Andersartigkeit und Mysterium verliehen. Heutzutage findet sich in jeder größeren Stadt ein breites Angebot an Tanzkursen, Schulungen für Körpergefühl und Haltung, die meistens Frauen gern erlernen wollen. Mit einem exotischen, geheimnnisvollen und verführerischen Auftreten will jede Frau assoziiert werden.

Neuerungen

Durch die mittlerweile verbreitete Beliebtheit des orientalischen Tanzes haben sich verschiedene Sparten mit neuen Bestandteilen und Kostümen, anderen Interpretationen von Musik und Bewegung und moderner Musik herausgebildet. Dennoch bleibt der uralte Zauber des ursprünglich ägyptischen und mittelöstlichen Tanzes ein Symbol von verführerischer Weiblichkeit.

Bauchtanzmusik

Die Musik ist ein fester Bestandteil, wenn nicht sogar die treibende Kraft und praktisch der Tanzpartner einer Bauchtänzerin. Auch heutzutage orientiert sie sich an arabischer Musiktradition. Es gibt bestimmte Instrumente, die bei keiner Bauchtanzdarbietung fehlen.

Dazu gehören hauptsächlich verschieden Trommeln sowie arabische Saiten- und Blasinstrumente. Durch die erheblichen Unterschiede zwischen der arabischen und der abendländischen Tonleiter rufen die nahöstlichen Klänge hierzulande eine Atmosphäre von geheimnisvoller Exotik, von fremden Ländern, von anderen Kulturen hervor. Die Tradition der orientalischen Musik erstreckt sich von Nordwestafrika bis nach Indien, vom Balkan bis nach Zentralasien. Der für westliche Musiker so fremdartig klingende Rhythmus passt daher perfekt zum Bauchtanz, zu Vorstellungen von Tausendundeiner Nacht und orientalischem Märchenzauber.

Sobald der erste Takt erklingt, wird die Musik von einer Bauchtänzerin mit rhythmischen Bewegungen der Hüfte und des Oberkörpers ebenso begleitet wie von ihren Tanzaccessoires. Die Münzen des Hüfttuchs unterstreichen die Trommeln, die geschmeidigen Armbewegungen lassen den Schleier wehen und mit komplizierten Figuren und Drehungen ergibt sich aus vollem Körpereinsatz bis in die Haarspitzen eine verführerische Sinfonie, die kaum einen Zuschauer unberührt lässt.

Wird diese musikalische Untermalung durch live anwesende Sänger und Musizierende performt, entsteht durch den Spielraum zu Improvisation, individueller Interpretation und Zusammenspiel mit der Tänzerin eine einzigartige, unvergessliche Show.

Tanzen im Klub

Eigentlich wollte ich zu Hause bleiben … durch die Klubs zu ziehen und angetrunken in der Masse ein wenig hin- und herzuzappeln, kam mir anstrengend und unreif vor. Schließlich konnte mich meine Freundin doch überreden.

Meine Musik?

Im Klub angekommen, bemerkte ich sofort alles, weshalb ich hier nicht sein sollte. Es war voll, schwitzig, roch nach Körperflüssigkeiten und Schnaps, der Fußboden klebte. Mir fiel außerdem die Musik auf. Ich bin Tänzerin, ich liebe klassische Musik, ich liebe aber auch Pop und Rock, alles, was mich trägt, worauf ich mich bewegen, mich fließen lassen kann. Stattdessen wummerte mir elektronische Bassmusik entgegen. Ich blickte über die Tanzfläche. Das, was ich da sah, war für mich arroganterweise kein Tanz: Verschwitzte Leiber zuckten und zitterten, Hände stießen in die Luft und die Menschen sprangen auf und ab, hin und her. Ein zappelnder Ameisenhaufen zu Elektro-Klängen.

Erstmal ein Getränk

Ich holte mir etwas zu trinken, und dachte, ich hab ja Eintritt gezahlt, ich bleib jetzt hier. Der Versuch, mir alles als eine Art Experiment schönzureden, funktionierte leider auch nicht. Ich fand meine Freundin in der Menge nicht wieder und kam mir ausgesprochen alt und dumm vor.

Der Beat ergreift mich

Ich begann, mich widerwillig zwischen die tanzenden Menschen zu begeben, um noch das Beste aus dem Abend zu machen. Dann zappele ich eben ein bisschen hin und her. Doch sobald ich in der Mitte stand, unter dem bunten glitzernden Licht, passierte etwas: Ich wurde ergriffen. Ergriffen von der Begeisterung der Menschen, dem Lächeln auf ihren Gesichtern, den verträumt geschlossenen Augen. In diesem Moment erkannte ich, dass mir zwar die Musik nicht gefiel, aber das Gefühl, Teil einer Menge zu sein, deren Mitglieder sich alle im selben Moment berühren lassen, kam mir magisch vor. Mein Herz klopfte wild zum Beat, und ich fing an, im Einklang mit den anderen auf und ab zu springen.

Paartanz

Es ist verführerisch. Hände liegen sanft ineinander. Körper wollen sich berühren, tun es aber nur fast – Standardtänze sind attraktiv. Sie sind eine Art Flirt, sie sind Augenkontakt, Loslassen und Heranziehen, Drehen und Berühren, Tanzen und Sprechen in einem.

Weich streichen die Finger über Schultern, Handgelenke, Hüften und Schulterblätter, als wären Mann und Frau zwei Vögel, die vor einem blassen Abendimmel versuchen, die Federn ihrer Flügel aneinander zu legen. Manchmal streift der Atemhauch des anderen über die Wange des Tanzpartners, manchmal berühren sich leicht die Knie, manchmal wird die Hand so an die Taille gelegt, dass man sich fallen lassen könnte, voller Zuversicht und Hingabe.

Danach nickt man sich kurz zu, lächelt sich an, schaut verlegen zur Seite. Man zieht die Tanzschuhe aus und fühlt sich beflügelt, berührt, aber nicht körperlich, sondern in der tiefsten Seele. Man spürt die Blicke im Nacken, schaut kurz zurück, aber der Tanzpartner ist schon gegangen. Man läuft nach Hause, langsam, die Beine federnd und nachhallend von den Händen des anderen.

Beim Eintreten ins dunkle Treppenhaus wundert man sich, wie klein der Schritt war, wie leicht der Tanz mit dem Unbekannten, der Tanz von Einsamkeit.